Ablassbriefe

Dokument: Ablassbrief von Johannes de Ytsetein
Ablassbrief von 1455, in Johannes Gutenbergs Werkstatt in Mainz auf Pergament gedruckt, ausgestellt von Johannes de Ytestein in Nürnberg
Staatsarchiv Zürich

Ablassbriefe

Frühe Druckerzeugnisse und Streitobjekte der Reformation

Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.

Sprichwort, Johann Tetzel zugeschrieben

Die Ausstellung von Ablassbriefen gehörte unmittelbar vor der Reformation zur gängigen Praxis der katholischen Kirche. Dem Gläubigen wurde nach einer Beichte oder anderen gottgefälligen Werken ein Erlass von Strafen für seine Sünden gewährt. Zu verschiedenen Anlässen wurden Ablassbriefe massenhaft verkauft. So verkündete Papst Nikolaus V. 1451 einen ‚vollkommenen Ablass‘ und sammelte mit den entsprechenden Briefen Geld für den Kampf gegen die Türken. Die daraufhin entstandenen und 1454/1455, zur Zeit der Erfindung des Buchdrucks, datierten Mainzer Ablassbriefe gehören zu den frühesten Druckerzeugnissen. Für das Eintragen des Ablassgebers und des Sünders sowie des aktuellen Datums wurde im Druckspiegel Platz gelassen – es handelte sich um die ersten Formulardrucke überhaupt. Auch Johannes Gutenberg soll vor der oder parallel zur Arbeit an der Gutenberg-Bibel solche relativ simplen Einblattdrucke hergestellt haben. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden große Mengen davon gedruckt, zum Teil mit bildlichen Darstellungen.

Der bekannte Prediger Johann Tetzel stand ab 1516 als Subkommissar und später Generalsubkommissar des Bistums Meißen für den institutionalisierten Ablasshandel im mitteldeutschen Raum. Mit dem massenhaften Verkauf von Almosenablassbriefen finanzierte die katholische Kirche teilweise den Bau des neuen Petersdoms in Rom, dessen Grundstein 1506 gelegt worden war. Außerdem profitierten der Landesherr und der Ablassprediger vom Verkauf. Martin Luther kritisierte den Ablasshandel scharf. Es war vor allem diese glaubensferne und kirchenrechtlich fragwürdige Art des Sündenerlasses und der Geldbeschaffung, die ihm Anlass für das Verfassen der 95 Thesen gab. Diese leiteten eine grundlegende Reform der Kirche ein. Selbst die katholische Kirche verbot später den Ablasshandel und drohte Ablasshändlern ab 1570 mit der Exkommunikation.