Bucheinband: Schriftgiesserei Klinkhardt
Gesamt-Probe der Schriftgiesserei Julius Klinkhardt, Bd. 2, Leipzig und Wien: Klinkhardt 1890. Die Einbanddecke des Schriftmusterbuchs ist, dem Geschmack der Zeit entsprechend, in reichhaltiger Weise mit ornamentalen Verzierungen ausgestattet.
Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig

Ornament

Das A-Z der Industrialisierung

Unglückliche Tendenz unseres Zeitalters (...), einem frühern Zeitalter angehörige Formen nachzubilden, ohne erst ermitteln zu wollen, ja oft sogar ohne im Geringsten zu berücksichtigen, unter welchen besondern Umständen ein Ornament wohl schön gewesen sein mochte.

Owen Jones, Grammatik der Ornamente, 1856

Ornament ist eine sich meist wiederholende Schmuckform, die gegenständlicher oder abstrakter Natur sein kann. Im Unterschied zu anderen bildlichen oder figürlichen Darstellungen (Illustration) hat es nur geringen Informationswert, gibt aber insbesondere massenhaft (Fabrik) und arbeitsteilig (Arbeitsteilung) hergestellten Erzeugnissen einen deutlichen Akzent. Das Ornament kann Flächen gliedern, füllen oder auch rahmen und wird beim Buch bei der Gestaltung des Titelblatts, des Textkörpers und des Einbands eingesetzt. 

Ornamente sind Zeichen, die in einem kulturellen Kontext stehen und als solche gelesen werden können. Der einflussreiche britische Architekt und Designtheoretiker Owen Jones (1809-1874) verband in seinem Werk Grammatik der Ornamente (1856) die historische Analyse der Ornamentik mit einem allgemeinen Bildungsappell: Es lässt sich kein Fortschritt in den Künsten der gegenwärtigen Generation erwarten, bis alle Klassen, Künstler, Fabrikanten und das Publikum im Allgemeinen zu einer vollkommeneren Einsicht in die Kunst herangebildet werden, und eine vollere Kenntniss der ihr zu Grunde liegenden allgemeinen Prinzipien erlangen.“